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NACHGEFRAGT; Mörderische Schwestern: Mord ist Metier und die Frage:
Morden Frauen "literarisch" anders als Männer
30 Autorinnen, 30 Kurzkrimis – und mörderische Einfälle in erstaunlicher Vielfalt. Die Mörderischen Schwestern zeigen anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums, wie raffiniert, überraschend und höchst unterhaltsam sich unliebsame Zeitgenossen aus dem Weg räumen lassen. Mit spitzer Feder, schwarzem Humor und krimineller Fantasie präsentieren die Autorinnen eine ebenso abwechslungsreiche wie vergnügliche Leistungsschau ihres mörderischen Metiers. Kriminelle Frauenpower vom Feinsten!
Wir bringen einige Antworten der Herausgeberin Regina Schleheck, auf Fragen die ihr vom KBV-Verlag gestellt wurden.
Guten Tag, Frau Schleheck. Zum 30-jährigen Jubiläum der Autorinnenvereinigung „Mörderische Schwestern“ haben Sie gemeinsam mit 30 Autorinnen eine Anthologie ins Leben gerufen. Sicherlich ist nicht
nur das Jubiläum „Mutter der Idee“ gewesen? Wie kam es zu diesem Projekt?
Regina Schleheck: Eigentlich eine verrückte Idee, die mir nach einer Ladies Crime Night mit einigen meiner großartigen Kolleginnen kam. Ich liebe es, in ihre unterschiedlichen Geschichten und Erzählstimmen einzutauchen.
Tatsächlich hatte es noch kein Best-of der sogenannten Regio West, also der über hundertfünfzig nordrhein-westfälischen Krimiautorinnen, die den „Mörderischen Schwestern“ angehören, gegeben. Ich fand, es war höchste
Zeit nach dreißig Jahren, zumal wir immer noch ein Problem mit der Wertschätzung haben, auch finanziell, und das, obwohl die erste Krimiautorin und weltweite Bestsellerin, Annette von Droste-Hülshoff, aus NRW stammt.
30 Autorinnen aus NRW erzählen Kurzkrimis … können Sie uns mit ein paar „Beispiel-Fällen“ Appetit auf Ihre Sammlung aus Mini-Dramen machen?
Regina Schleheck: Allein die Bandbreite der Rache-Geschichten - jenseits von Gatte geht fremd und nach einerGabe Gift ein - ist groß. Daneben wird aus Not, Habgier, Eifersucht gekillt bis hin zu – ups, ein Versehen, schade um
den Premium-Kunden. Liebe spielt natürlich auch eine Rolle, nicht nur zu Menschen, auch Hunde oder botanische Raritäten bewegen die Figuren. Mehr will ich nicht spoilern.
Nach welchen Kriterien haben Sie die Krimis ausgewählt – außer, dass die Autorinnen aus NRW kommen?
Was muss ein Mini-Drama können, um in Ihre Sammlung zu kommen?
Regina Schleheck: Das Schöne an Kurzkrimis: sie eröffnen andere Möglichkeiten als die klassischen Whodunits, in denen am Anfang die Leiche und am Ende nach langwierigen Ermittlungen und dramatischem Showdown Mörder oder Mörderin gefunden wird. Hier werden aus der Sicht von Tätern, Opfern, Angehörigen oder der Strafverfolgung Schlaglichter auf vielfältige Konflikte geworfen. Das kann urkomisch sein, Mitgefühl oder Nachdenken auslösen und gerade aufgrund der Kürze und Dichte sehr unter die Haut gehen�
Apropos Autorinnen … Morden Frauen „literarisch“ anders als Männer?
Regina Schleheck: Natürlich werden die Morde in dem vorliegenden Band nicht nur von Frauen begangen.
Aufgrund der körperlichen Unterlegenheit morden sie im wahren Leben wesentlich seltener, tendenziell unblutiger, unauffälliger und im moralischen Sinn mit mehr Berechtigung, das zeigt sich auch literarisch und speziell hier. Oft geht es um Traumatisierungen, die Motive werden psychologisch fundiert, aber wiewohl es insgesamt weniger Splatter gibt, endet das Opfer auch mal am Fleischerhaken. Durchaus verdient. Sie selbst haben auch einen Kurzkrimi verfasst, der schlicht und einfach „Irmchen“ heißt. Wer ist „Irmchen“
und was ist das Besondere an Ihrem Kurzkrimi?
Regina Schleheck: Der Name „Irmchen“ kommt liebevoll daher, es geht aber um ein gefühlskaltes Giftmonster, einen historischen Nachkriegs-Kriminalfall, an dem mich neben dem so genannten „Todesengel“ die Biografie und
Menschlichkeit der Strafverteidigerin Elsbeth von Ameln fasziniert hat: Selbst Verfolgte des Nazi-Regimes, bewahrte sie die vierfach zum Tode verurteilte Mandantin, die sie als „grenzenlos skrupellos“ bezeichnet, vor dem Galgen.
Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: „Mörderische Schwestern“ sind für mich wie …
Regina Schleheck: … eine Heimat. Ich bin in vielen literarischen Netzwerken engagiert: im PAN, Syndikat, VS, BvjA
und PEN, aber nirgends erlebe ich so viel Austausch und gegenseitige Unterstützung wie bei den Schwestern.
Bild: In dem Band ist aus dem Münsterland Christiane Nitsche-Costa mit einem Beitrag vertreten. Portrait: Regina Schlagheck: Barbara Dümpelmann